6. Überfall
Arthur ritt mit Merlin an seiner Seite vor, und die Ritter folgten ihnen. Zu Beginn ihrer Reise geschah nicht wirklich etwas Außergewöhnliches, so dass alle einigermaßen entspannt waren und sich lediglich beeilten, um so bald wie möglich ihr Ziel zu erreichen.
Merlin dachte an seine Lieben, die er im Schloss hatte zurück lassen müssen. Gaius, seinen Ziehvater, Leeana, die für ihn wie eine Schwester geworden war.. Und Gwen. Merlin wurde traurig, als er an Gwen dachte. Nach Morganas Fortgang und nachdem sie begriffen hatte, dass diese sich zum Nachteil verändert hatte, war sie eine andere geworden. Auch, wenn sie versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, aber Gwen war nicht mehr so unbeschwert und glücklich wie früher. Einmal hatte er sie sogar weinen sehen, doch er hatte nichts gesagt, da es ihr unangenehm war und sie versucht hatte, die Tränen fortzuwischen. Er konnte sie verstehen, doch es tat ihm weh, sie so zu sehen. Merlin wollte es sich nicht eingestehen, doch lag es vielleicht daran, dass er ein wenig mehr für Gwen empfand? Doch dann schalt er sich selbst einen Narren. Wenn überhaupt, dann war Gwen für Arthur vergeben, seinen Herrn. Oder gegebenenfalls für Sir Lancelot. Er hatte schon bemerkt, dass sowohl Lancelot als auch Gwen etwas füreinander empfanden. Zumindest hatten beide sich sehr verdächtig angesehen… Egal, welche Verbindung einmal tatsächlich entstehen sollte; er war bestimmt nicht eingeplant. Merlin seufzte. Auch er würde bestimmt einmal die Richtige finden…
Dann wurde er aus seinen Tagträumen gerissen. Arthurs Stimme dran an sein Ohr: “Merlin, spürst du etwas?” Merlin erinnerte sich wieder daran, weshalb er überhaupt mitgekommen war, und konzentrierte sich. Dann schüttelte er den Kopf: “Nein, Sire. Im Moment ist alles ruhig; ich spüre keinerlei magischen Aktivi…” Er wollte gerade weiter reden, als sie plötzlich Geräusche aus dem Dickicht ganz in ihrer Nähe hörten. Arthur hielt seine Ritter und ihn an und dann brüllte er: “Wir werden angegriffen; Alles in Position. Auch du, Merlin!” Merlin wusste, was das bedeutete: Im Gegensatz zu früher brauchte er seine magischen Fähigkeiten nun nicht mehr zu verstecken. Die Ritter sahen nun, wer auf sie zukam. Es waren Banditen. Und diese zögerten nicht lange, und griffen Arthur und seine Ritter an. Arthur gab die Angriffsbefehle und so begann der Kampf. Merlin gelang es mit Hilfe seiner Magie, einige der Angreifer fortzuschleudern, und diese wurden dann von Sir Lancelot und den anderen erstochen. Schließlich hatten sie alle Banditen besiegt.
“Verdammt, wo kommen die her? Sagtest du nicht, es sind keine magischen Aktivitäten hier zu erkennen?” grollte Arthur in Merlins Richtung. “Das ist auch so, Sire. Was auch immer sie auf unsere Spur gebracht hat, es war keine Magie im Spiel”… antwortete Merlin. Arthur fluchte. “Na gut. Was auch immer das zu bedeuten hatte, wir werden weiter gehen. Ich lasse mir von NIEMANDEM meine Ziele vermiesen!” Und so setzten sie ihren Weg fort.
Merlin war unbehaglich zu Mute. Obwohl er keine Magie gespürt hatte, verstand er es trotzdem nicht. Wieso wurden sie hier angegriffen? Seit Arthur König war, waren die einzelnen Reiche vereint und selbst die, die nicht zu Camelot gehörten, waren in Frieden mit ihm verbunden.. So etwas wie Banditen gab es in Camelot und den umliegenden Gegenden schon lange nicht mehr.. Hatte Morgana doch ihre Hände im Spiel? Doch wenn, wieso konnte er es dann nicht spüren? Und was ihn noch mehr frösteln ließ: Was würde sie wohl noch erwarten?…

